Helga Föhl, Plastiken
Anke Ibe, Malere

-KONTEMPLATIV-

Galerie am Stall

Einführung: Herbert Blazejewicz

Sehr geehrte Damen und Herren,

Anke Ibe fragte mich, ob ich etwas einführend zu ihren Werken in dieser Ausstellung
sagen würde. Da wir seit Jahren im künstlerischen Gespräch und befreundet sind, sagte ich zu.

Anke Ibe 1953 in Schleswig-Holstein geboren studierte von 1970 – 75 an der FHS für Gestaltung in Hamburg und schloss als graduierte Designerin ab. Ein weiteres Studium zum Lehramt Bildende Kunst und Theater folgte. 1985 legte sie das zweite Staatsexamen ab.
Sie arbeitete einige Jahre als Textildesignerin in Unternehmen.
Seit 2001 ist sie freiberuflich Bildende Künstlerin.
Seit 2006 arbeiten wir im Vorstand des BBK Oldenburg zusammen.

Anke Ibes künstlerisches Handeln geht nicht von einem gegenständlichen Inhalt aus. So verweisen Titel nicht auf einen inhaltlichen Ausgangspunkt, sondern finden sich im Vollzug der Malerei.
Anke Ibe ist ein ästhetischer Materialist. Von Anfang an erkundete sie Material. Was bewirkt es auf der Fläche, welche Wirkungen kann man damit erzielen? Es wird nicht nur aufgetragen, sondern auch verwischt, bekratzt und auch als Teil eingeklebt.
Durch Ihren Wunsch, das Farbmaterial selbst zu erstellen, kommt sie zur Malerei mit Eitempera, bei der die Farben mit Pigmenten, Wasser und verschiedenen Bindemitteln selbst produziert werden. Das Handwerkliche ist Anke Ibe wichtig.

Die gestalterischen Experimente, bei der sie neben den Farben auch andere Materialien wie Asche, Sand, Wachs verwendet, führen zu einer Malerei in einer warmen Terrakottafarbigkeit, Ocker – Gelb – Rot überwiegen. – Es entstehen Bildserien, bei denen das ruhige Quadrat die Regel ist. Kompositorisch trifft man häufig auf einen streifenhaften Aufbau. Selbst mit Blattgold werden in dieser Schaffensphase Versuche unternommen.

Da stand vermutlich neben der Malerin noch die Designerin, die ein Auge für das
Dekorative hat.

Ohne Zweifel, in den besten Stücken dieser Zeit entsteht überzeugende Malerei. Das Publikum bestätigt es durch seine Sympathie. Doch Anke Ibes „rot-gelbe“ Malerei, verkürzt ausgedrückt, ist ihre „blaue Periode“. Picasso hatte mit seinen melancholischen Akrobaten Erfolg. Aber ihn trieb es zu Neuem, zu provozierenden Gestaltungen.

Anke Ibes künstlerische Ernsthaftigkeit zeigte sich im Ringen um eine konsequente Form. Sie wollte ihren künstlerischen Ausdruck intensivieren.
2009 konzentrierte sie sich auf die Arbeit im Atelier und war nicht durch Ausstellungen abgelenkt. Bei den vollzogenen ästhetischen Häutungen streifte sie auch die Designerin ab.

Mehrere Serien entstanden. Die warme Farbigkeit wird zurückgenommen, wird differenzierter. Das Quadrat dominiert nicht mehr das Format. Bilder auf Papier und neue Techniken kommen hinzu.
In der Sfumato-Serie bedeckt eine in leichten Schwingungen sich bewegende dichte, fast monochrome Farbe die Fläche, aber an keiner Stelle unlebendig, einen flachen Farbraum schaffend.

Mehrere Werke in dieser Serie sind Diptychen, zweiteilig. Die Teile sind unterschiedlich groß. Farbklang und Gewichtung erzeugen Spannung.

Die Zuordnung mehrerer Einzelbilder zu Gruppen, wie in der kleinformatigen Serie „Licht und Schatten“ interessiert Anke Ibe kompositorisch.
Die einzelnen Bilder sind durchaus eigenständig. Bei entsprechender Zuordnung verstärkt sich aber einerseits die Eigenwirkung, andererseits kommt es zwischen den Elementen zu einem Spiel in Hell und Dunkel.

In „shadow on the wall”, eine ihrer neuen Kleisterarbeiten, wird die Farbigkeit fast reduziert auf Schwarz und Weiß. Ein heftiger Malvorgang bleibt sichtbar. Durch die nasse Bearbeitung sind Aufwölbungen des Papiers entstanden, die Teil der Oberflächenstruktur werden.
Im Bild „Cassiopeia“, bilden Knäuel aus weißen Linien, ungewöhnlich für die bisherige Arbeit, eigenständige Formen. Es verweist aber schon auf die jüngste formale Entwicklung.

In eine farbig stark zurückgenommenen Malerei lagern sich zeichnerische Elemente ein, gespannte Linien und Linienbündel. Der mit Kohle und Kreide gezeichnete Strich wird in dem Bild „gestaucht“ und in der Serie „sgraffito“, hier sehen wir nur Einzelstücke, die optische Dominante. Ein neuer Weg, eine interessante Bereicherung der künstlerischen Arbeit von Anke Ibe.

Obgleich Helga Föhl und Anke Ibe mit einem anderen Medium arbeiten und unterschiedliche bildnerische Gestaltungsmotive haben, passen die beiden Künstlerinnen wunderbar in dieser Ausstellung zusammen.
Der schnelle Blick, die flüchtige Wahrnehmung erschließen ihre Werke nicht. Sie fordern Kontemplation, ein geistiges Sichversenken.